Geheimsache Verkehrsgutachten?

Am Mittwoch steht die Aufstellung des Bebauungsplans für das Gewerbegebiet Ost auf der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung. Ganz unscheinbar, nach den Beschlüssen zum Haushalt. Die CDU hat diesen auf die Tagesordnung gesetzt. Die Verkehrsgutachten, die die Ortsbeiräte in Wallau und Diedenbergen vor einer Zustimmung gefordert hatten, wären da. Aber noch nicht veröffentlicht. Warum? Und wieso sollen die Stadtverordneten ohne Informationen zu dem wichtigen Punkt „Verkehrsbelastung“ entscheiden? Soll da schnell noch eine Entscheidung im Schatten der Haushaltsdiskussion durchgewunken werden? Es wäre auf alle Fälle ein deutliches Signal, wie man mit den Entscheidungen der Ortsbeiräte umgeht, sollte der Antrag durchkommen.

UPDATE 11.03.2026: Der Aufstellungsantrag wurde auf die zweite Stadtverordnetensitzung nach der Wahl verschoben. Ein wesentliches Argument war die Beteiligung der Ortsbeiräte.

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Noch eine Woche bis zur Wahl, der Haushalt steht noch nicht, dafür das Gewerbegebiet Wallau Ost auf der Tagesordnung der Sitzung am 11. März. Da gibt es viel Diskussionsbedarf. Wo? Vor der Apotheke in Wallau.

Investoren haben ihre eigenen Interessen

Instagram: @schlofnix

Gewerbegebiete sind unbestritten wichtig für Hofheim. Ob aber Wallau Ost III den Haushalt rettet, ist fraglich. Klar ist, bevor Gewerbesteuereinnahmen fließen würden, dauert es noch Jahre. Firmen können ihre Investitionskosten abschreiben, daher würde in den ersten Jahren kein Gewinn abfallen. Zudem können Logistikunternehmen durch ihre Firmenstruktur festlegen, an welchem Standort Gewinne anfallen. Eine Firma möchte und soll Gewinn machen. Wieso sollte sie dann nicht Gewerbesteuer in Hofheim vermeiden und diese lieber im billigeren Eschborn zahlen? Und gerade ein großes Logistikunternehmen wurde als möglicher Mieter genannt. „Nur“ 100 Schwerlast-LKW würden erwartet. Diese Aussage ist selbstredend unverbindlich. Wie auch die möglichen Berechnungen der Einnahmen durch die Gewerbesteuer. Zu denken gibt, dass die von den Ortsbeiräten geforderten Verkehrsgutachten vorliegen, aber noch nicht veröffentlicht sind. Die Straßen werden durch den zusätzlichen Verkehr nicht besser. Die absehbare Sanierung muss irgendwann auch bezahlt werden – aber nicht durch den Investor. Investoren haben ihre eigene Agenda, wie man am Gewerbegebiet in der Lach sieht. Blindes Vertrauen in Aussagen, zumal in Interviews, ist nicht zielführend. Sachliche Abwägung der Argumente, der Vor- und Nachteile, statt ideologischer Entscheidungen sind gefragt.

Zieht Polar Mohr nach Eschborn?

„PCT (ehemals Polar Mohr) prüft den Umzug nach Eschborn“ titelt heute das Höchster Kreisblatt im Lokalteil. Yorck Richter, der neue Manager der Firma, spricht es gegenüber der Zeitung aus: „Der Umzug ins neue Gewerbegebiet ‚An der Lach‘ sei keineswegs sicher“.

(@schlofnix) Instagram-Post vom 5. Januar: Polar Mohr muss bis Ende 2026 aus seinem jetzigen Standort in Hofheim, Hattersheimer Straße, ausziehen. Geplant (gehofft) ist, das die Firma im neuen Gewerbegebiet „In der Lach“ in Diedenbergen ein neues Zuhause findet. Allerdings ist bis jetzt noch nichts von großen baulichen Aktivitäten zu merken ….

In Eschborn stünden schon passende Gebäude, etwas „seriöses und solides“. Endgültig will sich der Manager noch nicht äußern. Allerdings soll auf der Betriebsversammlung am 5. März verkündet werden, wo PCT künftig firmiert. Die Chance, dass PCT in Hofheim bleibt, wird merklich kleiner, aber die Hoffnung stirbt bekanntermaßen zuletzt.

Akte X: Die unbekannten Verkehrsgutachten zu den Gewerbegebieten.

Um die zusätzliche Verkehrsbelastung durch die Gewerbegebiete einschätzen zu können, wurden auf Wunsch der Ortsbeiräte Verkehrsgutachten beauftragt.

Im Ortsbeirat Diedenbergen wurde die Nachfrage zum versprochenen Verkehrsgutachten für das Gewerbegebiet In der Lach erst gar nicht beantwortet (Quelle: Höchster Kreisblatt). Im Ortsbeirat Wallau sagte der Bürgermeister zu der entsprechenden Nachfrage zu dem Verkehrsgutachten zum Gewerbegebiet Ost 3 sinngemäß: „Das könnten wir in einen der nächsten Runden vorstellen.“ ….

Was ist los mit dem Gewerbegebiet „In der Lach“?

Polar Mohr muss bis Ende 2026 aus seinem jetzigen Standort in Hofheim, Hattersheimer Straße, ausziehen. Geplant (gehofft) ist, das die Firma im neuen Gewerbegebiet „In der Lach“ in Diedenbergen ein neues Zuhause findet. Allerdings ist bis jetzt noch nichts von großen baulichen Aktivitäten zu merken ….

2050: Ein Sonntagsspaziergang in Wallau

Glosse

Früh morgens schlendert Frida Schmidt durch Wallau. Seit die Sommer so warm sind, ist vor der Arbeit der beste Zeitpunkt. Beton heizt sich eben auf. Um die Finanzen zu sichern, sind Gewerbegebiete wichtig, haben sie gesagt. Dass die internationalen Logistikkonzerne die Steuern lieber in Irland als in Deutschland zahlen, konnte keiner ahnen. Sie muss sich beeilen, wenn sie pünktlich auf der Arbeit sein will. Denn zu spät darf man nicht auf die Autobahn wollen. Schon 2025 war das Autobahnkreuz und die Anschlussstelle Wallau überlastet. Jetzt, mit den vielen zusätzlichen LKWs, muss man sehr viel Zeit einplanen. Zumal die Umgehungsstraße halbseitig wegen einer Dauerbaustelle gesperrt ist. Die LKWs haben der schon damals angeschlagenen Straße den Rest gegeben. Aber sie will sich nicht beschweren. Dank der Einnahmen aus dem Verkauf der Grundstücke konnte der Dachgarten auf dem Landratsamt ansprechend überdacht werden. Vielleicht zu spät, kommt ihr in den Sinn, sonst hätten die Politiker in der Finanzkrise 2025 einen kühlen Kopf behalten.

Wallauer Spange und Gewerbegebiet Ost waren Thema auf der Wallauer Ortsbeiratssitzung

Screenshot von der Internetseite www.wallauer-spange.de

Zum TOP 6 „Aktueller Sachstand Wallauer Spange“ vermeldete Bürgermeister Wilhelm Schultze knapp: „Der Plan in seiner gegenwärtigen Ausführung ist nicht fördermittelfähig.“ Das heißt kein Geld vom Land oder Bund. Daher wieder alle Planungen zurück auf los. In der Bürgerfragestunde kam noch eine Nachfrage: „Gibt es einen konkreten Zeitplan, bis wann der Haltepunkt gebaut ist?“ Die salomonische Antwort des Bürgermeisters: „Wenn drei Kommunen an der Planung beteiligt sind, sieht er sich außerstande, einen belastbaren Zeitplan zu verkünden.“

Zu dem neuen regionalen Flächennutzungsplan hatte die Stadt die Ortsbeiräte um ihre Meinung gefragt. Herr Rösner von der Stadt Hofheim präsentierte nochmal die Änderungen, die Walleu betrafen. Der Ortsbeirat hatte schon fleißig vorgearbeitet und eine gemeinsame Stellungnahme aller Fraktionen vorbereitet. Darin wird bei einigen Punkten wie der Anpassungen an die Realität (z.B. Kleingärten hinter Ikea) sowie der Erweiterung einer möglichen Wohnbebauung an der Theodor-Heuss-Straße nach Nordenstadt der Vorlage der Stadt zugestimmt. Die zwei Erweiterungen des Gewerbegebiets Ost im Norden und Westen werden allerdings kritisch gesehen. Das Gebiet ist im derzeitigen Flächennutzungsplan schon als „klimakritisch“ eingestuft. Da ist eine weitere Versiegelung von Flächen für die Ortspolitiker problematisch. Inweiweit sich die Bedenken der Wallauer im städtischen Vorschlag durchsetzen können, wird sich zeigen.

Gewerbegebiet Ost 3 in Wallau – Keine Garantie auf Gewerbesteuereinnahmen

Hier soll das neue Gewerbegebiet mit einer Megahalle entstehen.

100.000 qm Grün- und Ackerfläche würden verschwinden, der (LKW)Verkehr steigen, die Belastung in Wallau zunehmen. Als Argument dafür werden u.a. die Gewerbesteuereinnahmen der Stadt angeführt. Doch wie sieht es faktisch damit aus? Die CDU-Fraktion hat in einer Anfrage an den Magistrat nachgefragt, wieviel die Stadt an Gewerbesteuer zusätzlich erwartet. In der Antwort steht: […] Zum derzeitigen Stand des Verfahrens können noch keine Annahmen zu Gewerbesteuerzuflüssen getroffen werden. Erträge aus der Gewerbesteuer ermitteln sich aus dem zu versteuernden Gewinn eines Unternehmens. Erstmalige Investitionskosten verringern ebenso den Gewinn wie eventuelle Zerlegungen im Rahmen der Unternehmensstruktur. […]

Dabei heißt „Zerlegung in der Unternehmensstruktur“, dass die Gewinne der Unternehmen nicht zwangsläufig der Stadt zugute kommen, in der die Produktions- oder Umschlaghallen stehen.

Emotionale und gut besuchte Sitzung des Ortsbeirats Wallau

Das beherrschende Thema war die Stellungnahme zum Gewerbegebiet Wallau Ost III. Der Raum war bis zum letzten Stuhl mit Besuchern gefüllt. Mehrere Stadtverordnete wollten sich ebenfalls ein direktes Bild von der Wallauer Meinungsbildung machen und diskutierten engagiert mit. Die Ortsbeiratsvorsitzende Anja Hauzel unterbrach die Sitzung, nachdem sich in der Diskussion kein einheitliches Meinungsbild abzeichnete. In der etwas längeren 5-Minuten-Pause zog sich der Ortsbeirat zur Beratung zurück und kam freudestrahlend mit einem einstimmigen Ergebnis zurück:

  • der Magistrat wird aufgefordert, zuerst ein Verkehrsgutachten/Konzept zu erstellen, dass alle schon geplanten Projekte wie Wallauer Spange, Gewerbegebiet in der Lach, Aldi Stadtmitte etc. einbezieht.
  • Der in der ursprünglichen Planung vorhandene zusätzliche Autobahnanschluss (Spange 2.0) soll wieder in die Planung einbezogen werden
  • Die Stadt soll vertraglich eine Nutzung des Areals durch Logistikdienstleister ausschließen.

Apropos Lärmbelastung in Wallau: Erster Stadtrat Daniel Philipp machte deutlich, dass das neue Betriebskonzept des Frankfurter Flughafens einen deutlichen Anstieg des Fluglärms für Wallau bedeuten würde. Man stehe im Austausch mit den Nachbargemeinden, die eine Klage gegen dieses Konzept vorhaben.

Am Ende der Sitzung waren einige Zuschauer sehr enttäuscht, dass auf dieser Sitzung des Ortsbeirats keine Fragen der Bürger an den Ortsbeirat zugelassen waren. Das führte zu einer kleinen inoffiziellen „Anschlussdiskussion“.

(26.07.25) Hinweis: Wer sich Bilder eines gleich großen MultiBusinessHub in Koblenz ansehen möchte, gibt bei google maps „Villeroy und Boch Polch“ ein, dort sind einige Bilder eines gebauten Hubs zu sehen.